Du machst mich und mein Leben groß, neben dir bin ich schwerelos.
Ich brauch‘ dich, ich mag‘ dich. Weil du total aus der Reihe tanzt,
ein Mensch wie du gibt dem Leben Glanz. Ich brauch‘ dich, ich mag‘ dich.

Du bist ein Zauberer, der die Sonne fängt.
Du hast ein Herz aus Gold, das für andere brennt. Du, bist ein Phänomen. 

Du, kannst die Erde drehen. Du, dich fängt niemand ein. Der Wind trägt deinen Namen. Du, bist ein Phänomen. Du, manchmal unbequem. Du, bist ein echter Freund. Dein Wort hält Wort, lachst alle Schatten fort. Du bleibst dir treu, lässt dich nicht dressieren, du fühlst die Erde im Takt pulsieren. Ich brauch‘ dich, ich mag‘ dich. Bei dir kann ich ohne Maske sein. Zeigst mir die Wahrheit, auch wenn ich träum‘..

Vater und Sohn – beste Freunde

Der Papa und der Christian waren ein Herz und eine Seele und Christian hat sich bei seinem Vater so wohl gefühlt. Das Feingefühl, was Christian gut tut und nicht, hat sein Vater im Besonderen in den letzten Jahren entwickelt. Und für die Familie stand glasklar fest, ein Papa ohne Christian ist unvorstellbar. Wenn sich sein Vater auch oft als aufopfernd dargestellt und geäußert hat, dass er sein Leben für Christian opfern würde, so haben wir alle gewusst, dass das nicht stimmt. Wir haben immer gemeint und gesagt, Christian ist mehr für seinen Vater da als der Vater für ihn. Und ich könnte mir vorstellen, dass das eine große Erkenntnis meines Ex-Mannes ist.

Als ich im Sommer 2017 mit einer ehemaligen Vorgesetzten von mir über Christian gesprochen und ihr geschildert habe, wie schmerzvoll für mich das Gefühl der versäumten Zeit ist, hat sie etwas sehr Tröstliches gesagt: „Vielleicht waren die letzten zwei Jahre für die beiden reserviert.“ Das hatte für mich etwas auf sich.

In diesen letzten beiden Lebensjahren hat sich eine tiefe, innige Beziehung zwischen meinem Ex-Mann und Christian entwickelt und das hat mein Ex-Mann auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dass sie beide zumeist in Partnerlook gegangen sind. Und nicht nur das, selbst in ihren Bewegungen ähnelten sie sich. Nach der Trennung hat sich eine gute Regelung gefunden. An den Nachmittagen war Christian bei seinem Vater und am Abend und an den Wochenenden bei mir. Am späten Nachmittag hat der Vater Christian nach Hause gebracht und diese Erinnerungen haben sich in mein Gehirn eingebrannt. Sie sind, wenn es das Wetter zugelassen hat, zu Fuß gegangen. Kurz vor ihrem Eintreffen hat mich mein Ex-Mann immer angerufen, damit ich ihnen entgegen gehe. Von weitem konnte ich kaum erkennen, wer wer war. Beide in den gleichen Jacken, beide fast gleich groß, beide den gleichen Gang. Wenn ich an diese Rituale zurückdenke, schmerzt es mich immer besonders. Manchmal habe ich meine Arme ausgebreitet und Christian zugerufen. Dann hat er sich von seinem Vater gelöst und ist mir in die Arme gelaufen. Ich habe ihm über den Kopf gestreichelt und gesagt: „Jetzt machen wir es uns fein am Abend.“ Es war immer so nett. Der Vater hat mir berichtet, was sie am Nachmittag unternommen haben, und ob es Christian gut gegangen ist. Das war für mich natürlich sehr beruhigend. So konnte ich meiner Berufstätigkeit nachgehen und eben an meinem Dissertationsprojekt schreiben.

Wie ich schon an vielen Stellen auf dieser Website meine Traurigkeit zum Ausdruck gebracht habe, dass mir die letzten beiden Jahre mit Christian fehlen, so kann ich auf dieser Seite zumindest berichten, dass Christian nicht abgestellt wurde, sondern in der Zeit bei seinem Vater gut aufgehoben war. Sie sind viel spazieren gegangen, im Sommer konnte er im Garten seines Vaters sein und hin und wieder, wenn es Christian gut gegangen ist, haben sie auch einen Ausflug gemacht.  

„Papa holen!“

Gleichermaßen wie mir die Übergaben am Nachmittag in Erinnerung sind, kann ich nicht vergessen, wie Christian die Treppe hinuntergelaufen ist, wenn er zu seinem Vater durfte. Da musste man schon ganz schön sportlich sein, um ihm hinterherzukommen. An dem bestimmten Platz, den wir den Übergabeplatz genannt haben, hat schon der rote Bus gewartet. Christian hat die Autotür aufgemacht, sich reingesetzt und mich lautstark verabschiedet. Wie erleichtert er war, wenn er ganz sicher sein konnte, dass ihn sein Weg zum Vater führt. Er hat genau die Strecke gekannt. Wenn wir ihn versprochen haben, dass er zu seinem Vater darf und wir ihn einmal mit dem Auto hingebracht haben, dann verfolgte er genau den Weg. Als er sich sicher war: Ja, das ist die Route, die führt mich in die richtige Richtung, sah man ihn an, wie er sich körperlich entspannte.

Der Tod ordnet die Welt neu, scheinbar hat sich nichts verändert, und doch ist die Welt für uns ganz anders geworden.

Die Welt ist nicht mehr die, die sie für uns einmal war – für deinen Vater nicht und nicht für deine Mutter.

Christian ist auch bedingungslos hinter seinem Vater gestanden. Wenn meine Tochter und ich mit Christian spazieren gegangen sind und wir uns einmal über seinen Vater nicht unbedingt positiv unterhalten haben, dann hat sich Christians Gesichtsausdruck zunehmend verdunkelt und er hat uns deutlich zu verstehen gegeben, dass er das nicht gut heißt. Christian konnte nicht sprechen, abgesehen von seinen 3-Wort-Sätzen, was aber nicht heißen soll, dass er sich nicht gut mitteilen konnte. 

Seine Loyalität zu seinem Vater hat Christian ausgezeichnet, aber auch sein Gerechtigkeitsgefühl. Er hat genau gespürt, wenn einem ihm nahe stehenden Menschen Unrecht geschieht. Er hatte einfach ein gutes Herz. Und ich bin auch ganz fest davon überzeugt, dass Christian so gern zu seinem Vater gegangen ist, weil er intuitiv gespürt hat, dass ihn mein Ex- Mann braucht. Manchmal haben meine Tochter und ich gesagt, Christian hegt ein Verantwortungsgefühl gegenüber seinem Vater. Wie auch immer – sie waren beste Freunde. Ich bin so froh und dankbar, dass Christian so viele schöne Stunden bei seinem Vater erleben durfte.

Und als eine von Millionen
steh ich hier und schau nach oben.
Frag mich, wo du gerade bist
und wie es da wohl ist.
Und als eine von Millionen,
die an Erinnerungen hängt,
fühl ich, dass du gerade hier bist
in diesem Moment.
Du lebst in mir und besuchst mich in meinen Träumen und dafür dank ich dir.

Aber nicht nur für unseren Christian hat es einen guten Papa gegeben. Die Kinder waren von jeher unser Mittelpunkt und am glücklichsten war der Vater, wenn er für seine drei Kids „macheln“ konnte. Er hat ihnen jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Es hat eigentlich kein Spielzeug gegeben, dass die Kinder nicht bekommen haben. Wir hatten schon einen kleinen Toys “R” Us-Laden zuhause, später als die Kinder größer wurden, waren es die Sportgeräte, die sie bekommen haben – vom Rad angefangen bis zum Snowboard, an nichts durfte es ihnen fehlen. Der Papa hat auch viel Zeit mit seinen Kindern verbracht und seine Zeit als Vater genutzt. Und wenn wir auch als Menschen so verschieden waren wie Sonne und Mond oder Tag und Nacht, etwas hat uns verbunden, nämlich der Wunsch, dass es den Kindern gut geht. In dieser Hinsicht wurden all meine Entscheidungen akzeptiert und mir nie dreingeredet. Ob Privatschule für die Kinder, Sprachreise für das Töchterchen nach London oder das Motorrad für den Sohnemann. Da hat es nie Diskussionen gegeben. Ich denke mir, dass wir da schon beide viel gegeben haben. Nun die Kinder sind größer geworden und selbständig und dieser Abnabelungsprozess war für den Vater gar nicht mal so leicht, ist ihm doch sein Lebensmittelpunkt, seine Kinder, abhanden gekommen.

Christian hatte in seinem Leben ein ungeheures Pech und so vieles blieb ihm vorenthalten: die Eigenständigkeit, die Entscheidungsfreiheit, Freunde, die erste große Liebe, einfach alles.  Mit etwas wurde Christian aber reichlich beschenkt, nämlich mit der Liebe seiner Eltern und seiner Herzensmutter Katharina.

Wenn Liebe einen Weg zum Himmel fände und Erinnerung zu Stufen würden, dann würden wir hinaufsteigen und dich zurückholen.